Fassaden
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Was Frauen in toxischen Beziehungen erleben, welche Auswirkungen die Gewalt auf ihr Leben hat und wie sie einen Ausweg und Hilfe finden, dies macht Alina Cyranek in ihrem Dokumentarfilm FASSADEN sichtbar. Dabei leistet sie ruhig und unaufgeregt zunächst vor allem eins: Aufklärungsarbeit. Auch wenn man die Zahlen kennt und auch weiß, dass viele misshandelte Frauen aus ihrer Beziehung nicht loskommen – zu hören, was sie sich nicht nur in ihrer Umgebung, sondern auch bei hilfloser, unwilliger Polizei und vor Gericht (von den Verteidigern der Täter, aber auch von Richtern) anhören müssen – das bringt noch einmal eine neue Dimension. Und dabei ist vom Patriarchat nur ganz am Schluss einmal kurz die Rede…
Der Film hat drei Bildebenen: in einem klassisch dokumentarischen Rahmen erzählen ein Polizist, eine Ärztin, eine Rechtsanwältin, eine Sozialarbeiterin, eine Mitarbeiterin eines Frauenhauses, die klar und sachlich die Machtverhältnisse und Beziehungsstrukturen einordnen. Wir sehen Häuser – eine Villengegend, Einfamilienhäuser, Hochhäuser, Siedlungen. Und wir sehen eine Frau und einen Mann, eine Tänzerin und einen Tänzer zunächst unter weißem Tuch (wie in einem Kokon, aus dem langsam die Wahrheit zutage tritt), später vor schwarzem Hintergrund, poetische Bilder einer Beziehung, hochästhetisch und physisch, die Raum lassen für Vielschichtigkeit und Komplexität solch einer Beziehung und immer mehr von Rissen durchzogen werden.
Dazu erzählt Sandra Hüller die aus vier realen Erfahrungsberichten verdichtete Geschichte einer Frau, die aus einer langjährigen gewalttätigen Beziehung ausbricht, sowie von einem politischen und gesellschaftlichen System, das lieber wegschaut. Der Film zeigt, welche Machtstrukturen hinter den Fassaden stecken und wie unzulänglich der Staat Frauen schützt.
Filmgespräch mit
Prof. Dr. i.R. Margrit Brückner, Soziologin, Frankfurt University of Applied Sciences (FRA-UAS), Forschungsschwerpunkt Gewalt gegen Frauen
Ruth Fühner, naxos.Kino