SELBSTBEZICHTIGUNG. Handke
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„Ich bin auf die Welt gekommen.
Ich bin geworden.
Ich bin gezeugt worden.
Ich bin entstanden.
Ich bin gewachsen.
Ich bin geboren worden.
Ich bin in das Geburtsregister eingetragen worden.“
So beginnt Peter Handkes Text Selbstbezichtigung.
Der Text beginnt mit etwas, das für viele Menschen selbstverständlich ist:
Ein Mensch kommt auf die Welt.
Aber genau das ist auch etwas ganz Besonderes.
Denn ein Mensch kann über sich selbst sprechen.
Ein Mensch kann sagen:
„Ich bin.“
Eine Künstliche Intelligenz kann das nicht.
Sie hat kein eigenes Selbst.
Nur der Mensch kann ein eigenes Selbst haben.
Der Text stellt Fragen:
„Gegen welche Lebensregeln habe ich mich vergangen?
Gegen welche Bauernregeln habe ich mich vergangen?
Gegen welche Liebesregeln habe ich mich vergangen?
Gegen welche Regeln der Kunst habe ich mich vergangen?“
Der Text spricht über Fehler von Menschen.
Er zeigt:
Menschen sind nicht perfekt.
Menschen machen Fehler.
Menschen halten sich nicht immer an Regeln.
Der Text zeigt diese Fehler nicht als etwas Schlechtes.
Er zeigt auch den Mut, Fehler zuzugeben.
Der Text stellt sich gegen den Wunsch, immer perfekt sein zu müssen.
Heute versuchen viele Menschen, ein perfektes Bild von sich zu zeigen.
Sie wollen besser, schöner oder erfolgreicher wirken.
Der Text sagt:
Der Mensch darf Fehler haben.
„Ich bin nicht, was ich gewesen bin.
Ich bin nicht gewesen, wie ich hätte sein sollen.
Ich bin nicht geworden, was ich hätte werden sollen.
Ich habe nicht gehalten, was ich hätte halten sollen.“
Der Text zeigt:
Menschen verändern sich.
Menschen sind nicht immer so, wie sie selbst oder andere es erwarten.
Zum Menschsein gehören auch kleine Fehler im Alltag.
Zum Beispiel:
„Ich habe Gegenstände an Orten abgestellt, an denen das Abstellen von Gegenständen verboten war.“
Solche Fehler zeigen etwas Menschliches.
Der Mensch ist nicht nur ein Teil von einem großen System.
Der Mensch kann eigene Entscheidungen treffen.
Der Mensch kann Regeln hinterfragen.
Der Mensch kann anders sein.
Peter Handke hat diesen Text vor mehr als 60 Jahren geschrieben.
Heute wirkt der Text noch immer aktuell.
Er klingt wie ein Hilferuf:
SOS.
Rettet unsere Seelen.
Es wirkt, als wären wir Menschen kurz vor einem großen Gericht.
Oder als würden wir uns darauf vorbereiten.
Der Text lädt uns ein, über wichtige Fragen nachzudenken:
Wer sind wir?
Wie wollen wir leben?
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THEATERNACHLESE
Mo, 12.10.2026 19:30 Uhr
im Haus am Dom
Eintritt frei